DEUTSCH / ENGLISH
Afrika im Jahre 1960 war ein Rätsel, ein Geheimnis. Binnen zwölf Monaten entließen Frankreich, England und Belgien 17 Kolonien südlich der Sahara in die Unabhängigkeit. Jeden Monat wurde irgendwo eine Republik geboren, und nicht selten verliefen diese Geburtstunden dramatisch und schmerzhaft. Niemand wusste, wie sich die Neulinge entwickeln würden. Für einen jungen Journalisten wie mich bot dieser plötzlich so selbstbewusste Kontinent ein ideales Reportagefeld. Von März bis Juni 1960 durchquerte ich Mali, Senegal, Guinea, Togo, Ghana, Nigeria, Mozambique, Rhodesien, Nyassaland (das spätere Malawi), Belgisch-Kongo und Südafrika. Die Reise endete am 30. Juni in Leopoldville, dem heutigen Kinshasa, wo der belgische König gerade den Kongo in die Unabhängigkeit entließ. Kaum war bei der Unabhängigkeitsparade die majestätische Limousine an uns vorbeigerollt, als ein junger Schwarzer auf den Wagen zustürzte, sich blitzschnell den königlichen Degen griff und davonhastete – direkt auf meine Kamera zu! So entstand ein Schnappschuß voller Symbolkraft. Der Degendieb ist bis heute mein meistgedrucktes Foto und mein Erkennungsbild, fast mein Markenzeichen geworden.
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