DEUTSCH / ENGLISH
Anfang der 60er Jahre waren die Nachkriegsdeutschen zwar aus dem Gröbsten raus, doch Fernseher oder Fernreisen konnte sich noch kaum jemand leisten. Dafür sprang der Stern ein: Er wollte den Deutschen mittels großer Reportagen die terra incognita, die große weite Welt nach Hause bringen, und die begann für die meisten schon jenseits von Kufstein. Eine der ersten dieser Stern-Auslandsreportagen sollte "Unser Nachbar Italien" heißen. Im Frühjahr 1963 gondelten Stern-Autor Jörg Andrees Eltern und ich also sechs Wochen in einer Mercedes-Limousine durchs Land, badeten in Ostia, schlemmten in Siena und spazierten auf Sizilien durch das berühmte Mafia-Dorf Corleone, in dem kein Einwohner auch nur ein Wort mit uns wechseln wollte. Selbst als wir nach der Uhrzeit fragten, blickte das Dutzend weißhaariger Alter, die auf dem Marktplatz im Schatten dösten, nur weiter wortlos vor sich hin. Einer schob seine Schiebermütze in den runzligen Nacken. Das war alles.
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